Ein Cayman mit 500 PS, Mittelmotor und 9.000 U/min klingt schon außergewöhnlich. Der Porsche 718 Cayman GT4 RS geht aber noch weiter und verbindet konsequenten Leichtbau, Rennstrecken-Aerodynamik und alltagstaugliche Zulassung in einem Fahrzeug. Ich zeige, was das Modell technisch auszeichnet, welche Rolle das Weissach-Paket spielt und für wen sich dieser kompromisslose Sportwagen wirklich lohnt.
Die wichtigsten Fakten zum Porsche 718 Cayman GT4 RS auf einen Blick
- 500 PS aus einem 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer-Saugmotor
- 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bis zu 315 km/h Höchstgeschwindigkeit
- 1.415 kg Leergewicht nach DIN dank konsequentem Leichtbau
- Ausschließlich mit 7-Gang-PDK und Hinterradantrieb erhältlich
- Bis zu 25 Prozent mehr Abtrieb als beim 718 Cayman GT4

Was den 718 Cayman GT4 RS so besonders macht
Der GT4 RS ist nicht einfach ein stärkerer Cayman. Porsche hat den Wagen als Rundstreckenfahrzeug mit Straßenzulassung entwickelt. Das merkt man an den großen Lufteinlässen hinter den Seitenscheiben, dem feststehenden Heckflügel und dem tief abgestimmten Fahrwerk.
Im Mittelpunkt steht der mittig eingebaute 4,0-Liter-Boxer. Der frei saugende Motor stammt technisch aus der GT3-Welt und reagiert ohne Turboloch direkt auf jede Gaspedalbewegung. Seine maximale Leistung von 368 kW beziehungsweise 500 PS liegt bei 8.400 U/min an, das Drehmoment beträgt 450 Nm bei 6.750 U/min.
Ich halte gerade diese Kombination für die eigentliche Stärke des Fahrzeugs. Viele moderne Sportwagen sind auf maximale Beschleunigung optimiert. Der Cayman vermittelt dagegen zusätzlich das Gefühl, den Motor aktiv über das Drehzahlband zu erarbeiten. Bei 9.000 U/min wird aus schneller Fortbewegung ein echtes Fahrerlebnis.
| Merkmal | Porsche 718 Cayman GT4 RS |
|---|---|
| Motor | 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer-Saugmotor |
| Leistung | 500 PS bei 8.400 U/min |
| Drehmoment | 450 Nm bei 6.750 U/min |
| Getriebe | 7-Gang-Porsche-Doppelkupplungsgetriebe |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| 0 bis 100 km/h | 3,4 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 315 km/h |
| Leergewicht nach DIN | 1.415 kg |
| Verbrauch kombiniert | rund 13,0 l/100 km |
Motor und PDK arbeiten wie ein Rennsportduo
Das 7-Gang-PDK ist beim GT4 RS keine optionale Komfortlösung, sondern Teil des Fahrzeugkonzepts. Eine manuelle Variante gibt es nicht. Über die Schaltpaddles lassen sich die Gänge trotzdem vollständig selbst anwählen, während die Hände am Lenkrad bleiben.
Die Übersetzung ist kurz gewählt, sodass der Boxer nach jedem Schaltvorgang schnell wieder in den kräftigen Drehzahlbereich kommt. Besonders auf kurvigen Strecken ist das ein Vorteil, weil der Wagen beim Herausbeschleunigen sofort Leistung bereitstellt. Im Alltag wirkt das Getriebe ebenfalls souverän, doch wer bewusst ein analoges Auto mit Kupplung sucht, sollte zum normalen 718 Cayman GT4 oder zu einem anderen Porsche GT-Modell greifen.
Die Ansaugung wurde teilweise in den Bereich hinter den Türen verlegt. Dadurch gelangt die Luft direkter zum Motor und der Fahrer bekommt das Ansauggeräusch unmittelbar mit. Das ist technisch sinnvoll, aber auch emotional wichtig. Der Sound kommt nicht nur aus der Abgasanlage, sondern aus dem gesamten Ansaugsystem direkt neben den Insassen.
Aerodynamik und Fahrwerk sind auf die Rennstrecke ausgelegt
Der feststehende Heckflügel mit Schwanenhals-Anbindung ist das auffälligste Merkmal. Zusammen mit Frontsplitter, Unterboden, Diffusor und Radhausentlüftungen erzeugt das Paket in der Performance-Einstellung deutlich mehr Abtrieb als der normale GT4. Porsche spricht von 25 Prozent zusätzlichem Abtrieb.
Mehr Abtrieb bedeutet nicht automatisch mehr Höchstgeschwindigkeit. Auf der Geraden steigt der Luftwiderstand, in schnellen Kurven gewinnt der Wagen dafür deutlich an Stabilität. Genau hier liegt der praktische Nutzen. Der Cayman bleibt beim harten Anbremsen und beim schnellen Richtungswechsel ruhig, anstatt sich leicht oder nervös anzufühlen.
Das Fahrwerk ist in Höhe, Spur, Sturz und an den Stabilisatoren einstellbar. Kugelgelenke ersetzen teilweise weichere Lager und führen die Räder besonders präzise. Für die Rennstrecke ist das ein großer Vorteil, auf schlechten Straßen kann die Abstimmung allerdings spürbar straff wirken.
Zum Serienumfang gehören leistungsfähige Aluminium-Festsättel mit sechs Kolben an der Vorderachse und vier Kolben hinten. Optional ist die Porsche Ceramic Composite Brake erhältlich. Keramikbremsen reduzieren die ungefederten Massen und bleiben bei hoher Belastung stabiler, sind im Ersatzfall aber deutlich teurer als die serienmäßigen Graugussscheiben.
Was das Weissach-Paket tatsächlich bringt
Das Weissach-Paket ist mehr als eine Sammlung sichtbarer Carbonteile. Frontdeckel, Lufteinlässe, Airbox-Abdeckung, Spiegel und Heckflügel bestehen teilweise aus Sichtcarbon. Zusätzlich sind ein Titan-Überrollkäfig, Race-Tex im Innenraum und Titan-Endrohre erhältlich.
Besonders interessant sind die optionalen 20-Zoll-Magnesium-Schmiederäder. Sie sparen im Vergleich zu herkömmlichen Rädern fast 10 kg und reduzieren damit die ungefederten sowie rotierenden Massen. Das verbessert nicht nur die Optik, sondern auch das Ansprechverhalten von Lenkung und Fahrwerk.
Meine Einschätzung fällt trotzdem differenziert aus. Wer den Wagen regelmäßig auf der Rennstrecke bewegt, profitiert vom geringeren Gewicht und der konsequenteren Ausstattung. Für gelegentliche Ausfahrten auf der Landstraße ist der Unterschied kleiner, als es der Aufpreis vermuten lässt. Dann sind gute Reifen, eine passende Sitzposition und ein sauberes Fahrwerkssetup oft wichtiger als jedes Carbon-Emblem.
GT4 RS, GT4 und Clubsport im direkten Vergleich
Die Modellbezeichnungen liegen eng beieinander, beschreiben aber drei unterschiedliche Einsatzbereiche. Der normale 718 Cayman GT4 ist der etwas alltagstauglichere Sportwagen und kann mit Handschaltung bestellt werden. Der GT4 RS ist schneller, leichter und stärker auf maximale Rundenzeit ausgerichtet.
| Modell | Charakter | Wichtiger Unterschied |
|---|---|---|
| 718 Cayman GT4 | Straßen- und Trackday-Sportwagen | Weniger Leistung, mehr Alltagsspielraum, optional Handschaltung |
| 718 Cayman GT4 RS | Straßenzugelassenes Tracktool | 500 PS, mehr Abtrieb, konsequenter Leichtbau, nur PDK |
| 718 Cayman GT4 RS Clubsport | Reines Rennfahrzeug | Rennsicherheitsausstattung, Slicks und keine normale Straßenzulassung |
Der Clubsport basiert auf derselben Grundidee, ist aber für homologierte GT4-Rennserien gebaut. Er besitzt Rennkäfig, Rennsitz, Renntechnik und ein speziell einstellbares Fahrwerk. Für Trackdays ist er beeindruckend, für öffentliche Straßen jedoch schlicht die falsche Wahl.
Auf der Nürburgring-Nordschleife fuhr Porsche mit dem seriennahen Modell eine Zeit von 7:09,300 Minuten auf der 20,832 Kilometer langen Variante. Solche Werte zeigen das Potenzial, sagen aber wenig darüber aus, wie schnell ein Amateurfahrer auf einer unbekannten Strecke sein wird. Reifen, Temperatur, Setup und Fahrkönnen haben einen enormen Einfluss.
Preis, Verfügbarkeit und laufende Kosten in Deutschland
Porsche Deutschland führt für das Modell aktuell einen Preis ab 158.700 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Gleichzeitig wird der Wagen derzeit als nicht bestellbar ausgewiesen. Wer einen GT4 RS kaufen möchte, landet deshalb häufig bei Lagerfahrzeugen, jungen Gebrauchten oder spezialisierten Porsche-Händlern.
Im deutschen Gebrauchtwagenangebot lagen vergleichbare Fahrzeuge im Sommer 2026 grob zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Fahrzeuge mit Weissach-Paket, Magnesiumrädern, Keramikbremsen, Lift-System und geringer Laufleistung können deutlich darüber liegen. Die Ausstattung beeinflusst den Preis hier stärker als bei einem gewöhnlichen Sportwagen.
Beim Kauf eines gebrauchten Exemplars würde ich nicht nur auf Kilometerstand und Erstzulassung achten. Entscheidend sind ein nachvollziehbares Serviceheft, die Anzahl der Rennstreckeneinsätze, der Zustand der Bremsscheiben und die Reifen. Ein Trackday ist kein Ausschlusskriterium, aber fehlende Dokumentation sollte sich klar im Preis widerspiegeln.
Auch die laufenden Kosten sind sportlich. Ein Satz geeigneter Trackday-Reifen kann schnell vierstellig werden, Bremsbeläge und Flüssigkeiten müssen bei häufiger Nutzung deutlich öfter kontrolliert werden. Wer den Wagen nur auf der Straße bewegt, sollte außerdem bedenken, dass ein Verbrauch von rund 13 l/100 km und hohe Versicherungsbeiträge zum Konzept dazugehören.
Für wen sich der kompromisslose Cayman lohnt
Der 718 Cayman GT4 RS passt zu Fahrern, die regelmäßig auf Rennstrecken unterwegs sind und ein präzises, heckgetriebenes Auto mit natürlicher Leistungsentfaltung suchen. Er belohnt saubere Linien, spätes Bremsen und ein gutes Gefühl für Lastwechsel. Seine Balance ist für mich überzeugender als reine PS-Zahlen, weil der Wagen auch in technischen Kurven Vertrauen aufbaut.
Für den täglichen Pendelverkehr ist er dagegen nur bedingt sinnvoll. Der Innenraum ist funktional, die Geräuschdämmung reduziert und das Fahrwerk straff. Wer vor allem Komfort, Langstreckentauglichkeit oder eine Handschaltung möchte, fährt mit dem normalen GT4 wahrscheinlich entspannter.
Der größte Fehler wäre, das Modell nur nach Beschleunigungswerten zu beurteilen. Seine eigentliche Stärke entsteht aus dem Zusammenspiel von Mittelmotor, Aerodynamik, Gewicht und Fahrwerkspräzision. Genau deshalb fühlt sich der Wagen auf einer anspruchsvollen Strecke so besonders an.
Die richtige Spezifikation entscheidet über den Charakter
Bei einem gebrauchten Fahrzeug würde ich das Weissach-Paket nicht automatisch zur Pflicht machen. Für regelmäßige Trackdays sind Magnesiumräder, passende Reifen und die Keramikbremse interessant, während das Vorderachs-Liftsystem den Alltag deutlich erleichtert. Wer häufig über öffentliche Straßen zur Rennstrecke fährt, sollte dieses Detail nicht unterschätzen.
Unterm Strich ist der Porsche 718 Cayman GT4 RS eines der konsequentesten straßenzugelassenen Fahrzeugmodelle für ambitionierte Trackday-Fahrer. Er ist teuer, laut und im Alltag kompromissbehaftet, liefert dafür aber ein sehr direktes Fahrerlebnis. Wer genau diese Mischung sucht und die laufenden Kosten akzeptiert, bekommt ein Fahrzeug, dessen technische Substanz weit wichtiger ist als reine Show.
