Ein Elektromotorrad soll nicht nur sauber und leise fahren, sondern auch Charakter, Leistung und Alltagstauglichkeit bieten. DAB Motors verbindet genau diese Punkte in der DAB 1, einem in Frankreich gefertigten Elektro-Motorrad der 125er-Klasse. Ich zeige, was hinter der Marke steckt, wie Antrieb und Batterie arbeiten, welche Reichweite realistisch ist und worauf Käufer in Deutschland achten sollten.
Die wichtigsten Fakten zur französischen Elektromotorradmarke
- DAB 1 ist ein straßenzugelassenes Elektromotorrad, kein klassisches E-Bike mit Pedalen.
- Der Antrieb liefert 8 kW Nennleistung und bis zu 23 kW Spitzenleistung.
- Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h, die kombinierte WMTC-Reichweite bei bis zu 120 km.
- Die Batterie besitzt 6,2 kWh Nennkapazität und lädt an 230 Volt in etwa 3 bis 4 Stunden.
- Der Einstiegspreis liegt laut Hersteller bei 9.990 Euro.
- Für Deutschland sind Führerschein, Zulassung, Versicherung und Ersatzteilversorgung vor dem Kauf zu prüfen.

Was hinter DAB Motors steckt
DAB ist eine französische Motorradmarke mit starkem Fokus auf Design, Individualisierung und elektrische Antriebstechnik. Die Motorräder werden in Frankreich gefertigt und seit 2023 innerhalb von Peugeot Motocycles weiterentwickelt. Das ist für mich ein wichtiger Punkt, weil die Marke dadurch nicht mehr nur wie ein kleines Custom-Projekt wirkt, sondern auf industrielle Fertigung und bestehende Motorradkompetenz zurückgreifen kann.
Im Mittelpunkt steht die DAB 1. Sie richtet sich an Fahrer, die ein leichtes, auffälliges und hochwertiges Elektromotorrad für Stadt, Pendelstrecke und kurvige Landstraßen suchen. Die Gestaltung erinnert eher an ein modernes Custom-Bike als an ein nüchternes Nutzfahrzeug. Genau darin liegt der Reiz, aber auch der Preisaufschlag gegenüber einfacheren Elektro-Zweirädern.
Wichtig ist die begriffliche Einordnung. Die DAB 1 ist kein Pedelec und kein elektrisch unterstütztes Fahrrad, sondern ein Motorrad der europäischen Klasse L3e-A1. Sie besitzt eine Sitzbank für zwei Personen, ABS, Motorradbremsen und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Der elektrische Antrieb liefert mehr als typische 125er-Feeling
Technisch arbeitet die DAB 1 mit einem bürstenlosen Gleichstrommotor. Er benötigt keine verschleißenden Bürsten und gibt sein Drehmoment direkt über den elektrischen Antrieb ab. Der Hersteller nennt 8 kW Nennleistung, 23 kW Spitzenleistung und bis zu 395 Nm maximales Drehmoment am Hinterrad.
Die hohe Drehmomentangabe sollte man richtig lesen. Sie bezieht sich auf das Rad und nicht auf eine Kurbelwelle wie bei einem Verbrennungsmotor. In der Praxis bedeutet das eine kräftige Beschleunigung aus dem Stand und ein sehr direktes Ansprechverhalten. Gerade im Stadtverkehr fühlt sich die DAB 1 deshalb spontaner an als viele benzinbetriebene Motorräder mit ähnlicher Zulassung.
| Technik | DAB 1 |
|---|---|
| Antrieb | Bürstenloser Gleichstrommotor |
| Nennleistung | 8 kW |
| Spitzenleistung | 23 kW |
| Höchstgeschwindigkeit | 120 km/h |
| Fahrmodi | Eco, Street, Sport, Nitrous und Rückwärts |
| Gewicht | 145 kg |
Die verschiedenen Fahrmodi sind mehr als eine Spielerei. Eco hilft, Leistung und Energieverbrauch zu begrenzen, während Sport und Nitrous die volle Dynamik freigeben. Ich würde Einsteigern empfehlen, zunächst mit einer sanften Kennlinie zu fahren. Bei einem Elektromotor kommt die Kraft sofort, und das kann auf nasser Fahrbahn schneller überraschen als erwartet.
Reichweite und Laden entscheiden über die Alltagstauglichkeit
Die Batterie arbeitet mit 72 Volt und bietet eine maximale Kapazität von 7,1 kWh beziehungsweise 6,2 kWh nominal. Für die Praxis ist vor allem die nominale Kapazität relevant. Sie beschreibt den nutzbaren beziehungsweise regulär angegebenen Energieinhalt und nicht nur den technisch möglichen Maximalwert.
Die offiziellen Angaben liegen bei bis zu 150 km im Stadtverkehr und etwa 120 km nach dem kombinierten WMTC-Zyklus. Diese Werte sind nachvollziehbar, sollten aber nicht mit einer garantierten Autobahnreichweite verwechselt werden. Hohe Geschwindigkeit, niedrige Temperaturen, Gegenwind, Zuladung und häufige starke Beschleunigung reduzieren die Reichweite deutlich.
Für den Arbeitsweg von 30 bis 50 Kilometern pro Strecke kann das Motorrad passen, wenn am Ziel geladen werden kann. Für regelmäßige Autobahnetappen oder lange Touren ohne Ladepunkt würde ich die Reichweite deutlich konservativer kalkulieren. Eine realistische Planung mit 80 bis 100 Kilometern unter anspruchsvolleren Bedingungen ist oft sinnvoller als das Ausreizen der Werksangabe.
Das integrierte 2-kW-Ladegerät ist praktisch, weil kein großes externes Ladegerät transportiert werden muss. Eine vollständige Ladung von 20 auf 100 Prozent dauert ungefähr 3 Stunden, von 0 auf 100 Prozent etwa 3,5 bis 4 Stunden. Geladen wird an einer normalen 230-Volt-Steckdose oder an einer Typ-2-Ladesäule mit passender Anschlussmöglichkeit.
Fahrwerk, Bremsen und Performance im echten Betrieb
Bei einem sportlich gezeichneten Elektromotorrad darf das Fahrwerk nicht nur gut aussehen. Die DAB 1 nutzt eine 46-Millimeter-Upside-down-Gabel mit 100 Millimetern Federweg sowie ein einstellbares hinteres Federbein. Die Sitzhöhe lässt sich je nach Ausstattung zwischen 800 und 880 Millimetern anpassen.
Für kleinere Fahrer ist die niedrigere Position ein echter Vorteil. Größere Personen profitieren dagegen von mehr Kniewinkel und einer sportlicheren Sitzhaltung. Vor dem Kauf würde ich die Sitzhöhe unbedingt ausprobieren, denn die relativ kompakte Silhouette kann auf Bildern großzügiger wirken, als sie sich im Alltag anfühlt.
Die Bremsanlage stammt von Brembo und arbeitet mit einem Dual-ABS von Peugeot Motocycles. Vorn sitzt eine radiale Vierkolben-Bremse an einer 320-Millimeter-Scheibe. Das schafft eine gute Basis für kontrolliertes Anbremsen und passt zum kräftigen Antrieb. Für Trackdays ist die DAB 1 trotzdem nicht automatisch ein Rennmotorrad. Reifenfreigaben, Temperaturhaushalt, Bremsbelastung und die fehlende Langstreckenreserve setzen klare Grenzen.
Beim Tuning würde ich deshalb zuerst auf Fahrwerksabstimmung, Reifen und ergonomische Anpassung setzen. Mehr Spitzenleistung klingt attraktiv, bringt im Alltag aber weniger als eine sauber eingestellte Federvorspannung und ein passender Reifendruck. Außerdem können Änderungen an Motorsteuerung, Bremsen oder Beleuchtung die Betriebserlaubnis und Garantie gefährden.
Führerschein, Preis und Kauf in Deutschland
Die Einstufung als L3e-A1 bedeutet in Deutschland grundsätzlich, dass die DAB 1 mit der Fahrerlaubnisklasse A1 gefahren werden kann. Auch ein A2- oder A-Führerschein deckt diese Klasse ab. Die deutsche Schlüsselzahl B196 gilt nur im Inland und setzt unter anderem mindestens fünf Jahre Besitz der Klasse B sowie ein Mindestalter von 25 Jahren voraus.
Der Einstiegspreis liegt bei 9.990 Euro. Je nach Konfiguration, Zubehör, Überführung und regionalen Kosten kann der tatsächliche Betrag höher ausfallen. Zum Budget gehören außerdem Versicherung, Zulassung, Schutzkleidung, Wallbox oder Steckdoseninstallation sowie mögliche Kosten für Reifen und Bremsverschleiß.
Der hohe Preis erklärt sich teilweise durch die Kleinserien- und Premiumpositionierung, die hochwertige Bremsanlage und die umfangreiche Individualisierung. Rein wirtschaftlich ist ein günstiger Elektroroller oft vernünftiger. Wer jedoch ein Motorrad mit besonderem Auftritt, kräftigem Antritt und hochwertiger Ausstattung sucht, bewertet den Kauf wahrscheinlich nach anderen Kriterien.
Vor der Bestellung sollte ich für Deutschland vier Punkte schriftlich klären
- Lieferumfang inklusive Kabel, Sitzhöhenkit und Zubehör
- Zulassungsdokumente und konkrete Homologation für den deutschen Markt
- Serviceweg bei Batterie, Motorsteuerung und Software
- Garantiebedingungen für Batterie und Antrieb
Ein internationales Servicenetz und mobile Wartung können hilfreich sein, ersetzen aber nicht die Prüfung, welcher Partner tatsächlich in erreichbarer Nähe arbeitet. Gerade bei einem Elektro-Motorrad ist die Diagnosefähigkeit wichtiger als ein beliebiger Mechaniker um die Ecke.
Für wen die DAB 1 passt und wo ihre Grenzen liegen
Die DAB 1 passt meiner Einschätzung nach zu Fahrern, die täglich kurze bis mittlere Strecken zurücklegen, zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können und ein individuelles Motorrad suchen. Besonders stark ist sie dort, wo direkte Beschleunigung, geringe Geräuschentwicklung und kompakte Abmessungen zählen.
Weniger passend ist sie für Fahrer, die häufig mehrere hundert Kilometer am Tag fahren, lange Autobahnetappen planen oder unterwegs auf ein dichtes Netz schneller Ladestationen angewiesen sind. Auch der Stauraum bleibt mit 3,4 Litern begrenzt. Ein Topcase oder Heckträger verbessert die Alltagstauglichkeit, verändert aber die puristische Linie.
Die größte Fehleinschätzung wäre, nur auf die Spitzenleistung zu schauen. Für die Kaufentscheidung sind Ladeort, Pendeldistanz und Temperaturbedingungen wichtiger. Wer diese drei Punkte ehrlich prüft, erkennt schnell, ob das Motorrad ein praktisches Fahrzeug oder eher ein emotionales Zweitmotorrad wird.
Die passende Entscheidung beginnt mit einer realistischen Probefahrt
Ich würde vor dem Kauf nicht nur eine kurze Runde im Stadtverkehr drehen. Sinnvoller ist eine Probefahrt mit kaltem und warmem Akku, verschiedenen Fahrmodi, einer schnellen Landstraßenpassage und mindestens einem Ladeversuch an der vorgesehenen Steckdose.
So lassen sich Ansprechverhalten, Sitzposition, Reichweite und Ladepraxis besser beurteilen als anhand einzelner Prospektwerte. Wer anschließend noch die Zulassungspapiere, Servicebedingungen und Gesamtkosten prüft, bekommt ein realistisches Bild davon, ob die DAB 1 zum eigenen Fahrprofil passt.
Für mich ist das französische Elektromotorrad vor allem ein stilvolles Performance-Bike für urbane und regionale Strecken. Es ersetzt nicht jede klassische Maschine, zeigt aber überzeugend, wie viel Charakter ein elektrischer Antrieb besitzen kann, wenn Technik, Fahrwerk und Gestaltung konsequent zusammenentwickelt werden.
