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MG4 XPower im Test - Sportwagen oder schnelles Ampelauto?

Oswald Rudolph • 29. Oktober 2026
Grüner MG4 XPOWER im Test auf einer Landstraße. Das Heck des Elektroautos mit markanten Rückleuchten und sportlichen Felgen.

Inhaltsverzeichnis

Ein MG4-XPower-Test muss mehr zeigen als den spektakulären Sprint auf 100 km/h. Ich ordne deshalb Leistung, Kurvenverhalten, Reichweite, Ladezeiten und Alltagstauglichkeit gemeinsam ein und kläre, ob der elektrische Kompaktwagen wirklich ein sportliches Fahrerauto oder hauptsächlich ein schnelles Ampelauto ist.

Der MG4 XPower verbindet brutale Beschleunigung mit erstaunlich viel Alltag

  • 435 PS und 600 Nm treiben alle vier Räder an.
  • Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,8 Sekunden.
  • Die aktuelle Version schafft laut WLTP bis zu 405 Kilometer.
  • Der DC-Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert etwa 30 Minuten.
  • Seine größte Schwäche bleibt die Kombination aus hohem Gewicht und begrenzter Reichweite.

Blauer MG4 XPower Test-Supersportwagen rast bei Sonnenuntergang über die Rennstrecke.

Was der MG4 XPower technisch verspricht

Der XPower ist die leistungsstärkste Variante des MG4 und nutzt zwei permanenterregte Synchronmotoren. Zusammen liefern sie 320 kW beziehungsweise 435 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Das ist für einen rund 4,29 Meter langen Kompaktwagen eine Ansage, die man im Alltag sofort spürt.

Der Frontmotor leistet 150 kW, der Heckmotor 170 kW. Dadurch entsteht ein variabler Allradantrieb, der die Kraft je nach Fahrsituation verteilt. Besonders beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven ist das ein echter Vorteil, weil die Vorderräder nicht allein mit dem Drehmoment kämpfen müssen.

Merkmal MG4 XPower
Antrieb Allradantrieb mit zwei Elektromotoren
Leistung 320 kW, 435 PS
Drehmoment 600 Nm
0 bis 100 km/h 3,8 Sekunden, in Messungen teilweise 3,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Batterie 64 kWh brutto, rund 61,7 kWh nutzbar
Maximale DC-Ladeleistung Bis zu 140 kW
Kofferraum 363 Liter

Die Zahlen sind beeindruckend, aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Entscheidend ist, wie kontrolliert der Wagen diese Leistung abgibt. Genau dort zeigt der XPower mehr Substanz, als der günstige Einstiegspreis zunächst vermuten lässt.

Beschleunigung ist stark, aber Kurven entscheiden

Der Sprint fühlt sich sogar noch schneller an

Mit aktivierter Startkontrolle schießt der MG4 XPower mit einer Vehemenz los, die man sonst eher aus deutlich teureren Sportwagen kennt. Die Werksangabe von 3,8 Sekunden auf 100 km/h ist realistisch. Einzelne Messungen kamen sogar auf etwa 3,7 Sekunden, wobei Reifen, Batteriestand und Außentemperatur eine Rolle spielen.

Die Kraftentfaltung bleibt dabei typisch elektrisch. Es gibt keine Schaltpausen und kein Warten auf Drehzahl. Ich finde gerade den unmittelbaren Antritt beeindruckender als die nackte Zahl, weil der XPower auch bei mittlerem Tempo noch sehr kräftig durchzieht.

Ein überraschend neutrales Fahrverhalten

MG hat Federn, Dämpfer und Stabilisatoren gegenüber den schwächeren Varianten deutlich straffer abgestimmt. Die Karosserie bleibt in schnellen Wechselkurven stabil, während der Allradantrieb beim Herausbeschleunigen für gute Traktion und eine leicht heckbetonte Balance sorgt.

Das Fahrwerk ist also nicht bloß hart, sondern grundsätzlich gelungen. Auf welligem Asphalt merkt man allerdings, dass der XPower mit rund 1,8 Tonnen kein Leichtgewicht ist. Er reagiert weniger verspielt als ein klassischer Kleinwagen-Hot-Hatch und braucht beim Anbremsen etwas mehr Nachdruck.

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Die Grenze liegt eher bei Reifen und Rennstrecke

Die serienmäßigen Bridgestone-Turanza-Reifen sind auf Alltag, Rollwiderstand und Effizienz ausgelegt. Für öffentliche Straßen funktionieren sie ordentlich, auf einem Trackday fehlt ihnen bei hoher Belastung jedoch etwas Haftung. Wer regelmäßig auf der Rennstrecke fährt, sollte zuerst über geeignetere Sportreifen nachdenken und nicht sofort die Motorleistung erhöhen.

Auch die Bremsanlage liefert im normalen Betrieb eine überzeugende Verzögerung. Bei mehreren schnellen Runden hintereinander sind Temperatur, Bremsbeläge und Reifen aber wichtiger als die 435 PS. Mein Urteil fällt deshalb klar aus: Der XPower ist ein sehr schneller Straßenwagen mit gelegentlicher Trackday-Tauglichkeit, kein fertig abgestimmtes Rennstreckenauto.

Reichweite, Verbrauch und Laden im Alltag

Die aktuelle Modellversion wird mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 405 Kilometern angegeben. Frühere Ausführungen des XPower lagen bei etwa 385 Kilometern. Wer einen gebrauchten Wagen betrachtet, sollte die Modellversion deshalb genau prüfen, statt die neueren Daten automatisch auf jedes Fahrzeug zu übertragen.

Fahrsituation Realistische Einschätzung Was die Reichweite beeinflusst
Stadt und Landstraße Etwa 300 bis 380 Kilometer Temperatur, Fahrstil und häufige Beschleunigungen
Gemischter Alltag Rund 280 bis 350 Kilometer Geschwindigkeit und Heizungsnutzung
Autobahn bei 120 bis 130 km/h Etwa 220 bis 290 Kilometer Wind, Reifen, Temperatur und Beladung
Sportliche Fahrweise Deutlich unter 300 Kilometer möglich Volllast und häufige starke Verzögerungen

Der offizielle Verbrauch liegt bei 19,0 kWh pro 100 Kilometer. In unabhängigen Tests wurden je nach Strecke Werte zwischen knapp 19 und etwa 21 kWh erzielt. Wer die Leistung regelmäßig abruft, landet natürlich deutlich höher. Physik lässt sich auch mit zwei Elektromotoren nicht wegprogrammieren.

Am Schnelllader nimmt der XPower bis zu 140 kW auf. Für den Bereich von 10 auf 80 Prozent nennt MG ungefähr 30 Minuten. Das ist heute kein Spitzenwert, reicht für eine kurze Rast aber aus. An einer 11-kW-Wallbox dauert eine vollständige Ladung von niedrigem Akkustand ungefähr siebeneinhalb Stunden.

Für lange Autobahnreisen ist das Auto damit brauchbar, aber nicht außergewöhnlich komfortabel. Die relativ kleine Batterie und der sportliche Verbrauch sorgen dafür, dass man häufiger laden muss als bei einem effizienteren Hecktriebler mit größerem Akku.

Innenraum und Alltag zeigen die zweite Seite des XPower

Im Alltag wirkt der MG4 XPower deutlich vernünftiger, als sein Antrieb vermuten lässt. Erwachsene sitzen vorn bequem, und auch im Fond reicht der Platz für durchschnittlich große Mitfahrer. Der Kofferraum fasst 363 Liter, womit der Wagen eher praktisch als geräumig ist.

Die Sportsitze geben guten Seitenhalt, ohne auf kurzen Strecken unbequem zu werden. Größere Fahrer vermissen allerdings eine feinere Einstellung der Sitzflächenneigung. Die erhöhte Sitzposition und die kompakte Außenlänge machen das Einparken angenehm, der Wendekreis fällt für einen Kompaktwagen jedoch relativ groß aus.

Bei der Bedienung mischen sich Licht und Schatten. Apple CarPlay und Android Auto sind hilfreich, während das Infotainmentsystem in manchen Testfahrzeugen mit Verzögerungen und einer langsam reagierenden Rückfahrkamera auffiel. Ich würde deshalb vor dem Kauf eine längere Probefahrt machen und nicht nur die Beschleunigung auf dem Händlerparkplatz testen.

Zur Ausstattung gehören unter anderem adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhaltefunktionen, Totwinkelüberwachung, 360-Grad-Kamera und Vehicle-to-Load. Mit V2L kann das Fahrzeug externe Geräte mit Strom versorgen, beispielsweise Werkzeug oder eine kleine Kühlbox. Für den Motorsportbereich ist das kein Leistungsmerkmal, im Alltag aber ein überraschend praktisches Detail.

Für wen sich der MG4 XPower wirklich lohnt

Der XPower passt zu Fahrern, die einen kompakten Elektroflitzer mit sehr starken Fahrleistungen suchen, aber keinen großen SUV oder teuren Premium-Sportwagen kaufen möchten. Der aktuelle Grundpreis von rund 46.990 Euro macht ihn besonders interessant, wenn maximale Beschleunigung wichtiger ist als eine möglichst große Reichweite.

  • Stärken sind der explosive Antritt, der variable Allradantrieb, das neutrale Kurvenverhalten und die umfangreiche Ausstattung.
  • Schwächen liegen bei Reichweite, Gewicht, Wendekreis und der nicht immer perfekt abgestimmten Software.
  • Für Pendler funktioniert er gut, wenn zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden kann.
  • Für Langstreckenfahrer gibt es effizientere Elektroautos mit größerer Batterie oder besserer Ladeplanung.
  • Für Trackday-Fahrer ist er eine spannende Basis, braucht aber Reifen- und Temperaturmanagement.

Von Leistungssteigerungen würde ich zunächst absehen. Der Serienantrieb ist bereits mehr als stark genug, während Reifen, Bremsbeläge und Fahrwerksabstimmung den größeren Einfluss auf schnelle Rundenzeiten haben. Ein guter Satz UHP-Reifen, also besonders haftstarker Ultra-High-Performance-Reifen, bringt auf der Strecke wahrscheinlich mehr als zusätzliche Softwareleistung.

Mein Urteil zum MG4 XPower zwischen Alltag und Trackday

Der MG4 XPower ist kein perfekter Sportwagen, aber genau das macht ihn interessant. Er verbindet 435 PS, Allradantrieb und kompakte Abmessungen mit einem Preis, der deutlich unter vielen vergleichbaren Performance-Modellen liegt.

Seine Stärke ist die Kombination aus brachialem Geradeauslauf und überraschend sauberem Kurvenverhalten. Seine Schwäche zeigt sich bei langen Autobahnetappen und intensiven Rennstreckensessions. Wer diese Grenzen kennt und den XPower als schnellen Alltags-Hot-Hatch mit gelegentlichem Ausflug auf den Track versteht, bekommt ein ungewöhnlich unterhaltsames Elektroauto mit echtem Charakter.

Häufig gestellte Fragen

Der MG4 XPower sprintet in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, einzelne Messungen kamen auf etwa 3,7 Sekunden. Sein variabler Allradantrieb sorgt für gute Traktion und eine leicht heckbetonte Balance. Trotz des hohen Gewichts von rund 1,8 Tonnen bleibt das Fahrverhalten überraschend neutral.

Die aktuelle Version schafft laut WLTP bis zu 405 Kilometer. Realistisch sind im gemischten Alltag etwa 280 bis 350 Kilometer, auf der Autobahn bei 120 bis 130 km/h ungefähr 220 bis 290 Kilometer. Bei sportlicher Fahrweise kann die Reichweite deutlich unter 300 Kilometer sinken.

Am DC-Schnelllader lädt der MG4 XPower mit bis zu 140 kW und benötigt für 10 auf 80 Prozent ungefähr 30 Minuten. Eine vollständige Ladung an einer 11-kW-Wallbox dauert bei niedrigem Akkustand etwa siebeneinhalb Stunden.

Der XPower eignet sich als schneller Straßenwagen für gelegentliche Trackdays, ist aber kein fertig abgestimmtes Rennstreckenauto. Die serienmäßigen Bridgestone-Turanza-Reifen können bei hoher Belastung an ihre Grenzen kommen. Für bessere Rundenzeiten sind geeignete Sportreifen, Bremsbeläge und Temperaturmanagement sinnvoller als zusätzliche Motorleistung.

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Autor Oswald Rudolph
Oswald Rudolph
Mein Name ist Oswald Rudolph und ich habe über 12 Jahre Erfahrung im Bereich Motorsport, Performance Tuning und Fahrtechnik. Meine Leidenschaft für Autos und Rennsport begann schon in meiner Kindheit, als ich bei jedem Rennen am Fernseher mitfieberte. Diese Begeisterung hat mich dazu gebracht, tiefer in die Materie einzutauchen und mein Wissen über Fahrzeugtechnik und Fahrverhalten kontinuierlich zu erweitern. Ich schreibe über Themen, die sowohl für Hobbyfahrer als auch für Profis von Interesse sind. Dabei ist es mir wichtig, komplexe technische Aspekte verständlich zu erklären und aktuelle Trends im Motorsport zu beleuchten. Ich überprüfe sorgfältig meine Quellen und vergleiche Informationen, um sicherzustellen, dass meine Leser Zugang zu nützlichen und präzisen Inhalten haben. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, die Welt des Motorsports besser zu verstehen und Ihre Fahrtechnik zu optimieren.

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