Ein SUV mit knapp fünf Metern Länge, fast 30 Zentimetern Bodenfreiheit und einer offenen Ladefläche klingt zunächst nach einem serienreifen Abenteuerfahrzeug. Der Škoda Mountiaq ist jedoch ein einzigartiges Azubi Concept Car auf Kodiaq-Basis, das vor allem zeigt, wie weit sich ein Serienfahrzeug mit sauberer Konstruktion, Kreativität und konsequentem Offroad-Fokus verändern lässt. Ich ordne die technischen Daten ein, erkläre den aufwendigen Umbau und zeige, was Tuning-Enthusiasten daraus für eigene Projekte lernen können.
Die wichtigsten Fakten zum außergewöhnlichen Škoda-Pickup
- Einzelstück: Der Mountiaq wurde 2019 von 35 Škoda-Auszubildenden entwickelt und gebaut.
- Basis: Als technische Grundlage diente der Škoda Kodiaq.
- Antrieb: Ein 2,0-TSI-Benziner leistet 140 kW beziehungsweise 190 PS.
- Offroad-Konzept: Die Bodenfreiheit beträgt rund 29 Zentimeter.
- Umbauaufwand: Das Projekt dauerte acht Monate und umfasste mehr als 2.000 Arbeitsstunden.

Was der Mountiaq eigentlich ist
Der Mountiaq ist kein reguläres Fahrzeugmodell und auch kein geplanter Serien-Pickup. Škoda stellte ihn 2019 als sechstes Azubi Concept Car vor. Entwickelt wurde das zweitürige Einzelstück von 35 Auszubildenden der Škoda-Berufsschule in Mladá Boleslav.
Die Grundidee war klar. Aus einem komfortablen SUV sollte ein markanter Lifestyle-Pickup mit sichtbarer Offroad-Ausrichtung entstehen. Der Name verbindet den Kodiaq mit Begriffen wie „Mountain“ und „Pickup“ und passt damit ziemlich genau zum Charakter des Fahrzeugs.
Laut Škoda Storyboard arbeiteten die Nachwuchskräfte über acht Monate an dem Projekt und investierten mehr als 2.000 Stunden. Für mich liegt der eigentliche Wert deshalb nicht nur in der auffälligen Optik, sondern im Ausbildungsansatz. Die Jugendlichen mussten Konstruktion, Karosseriebau, Elektrik, Design und Produktion in einem einzigen Projekt zusammenbringen.
Technische Daten und auffällige Details
Auf dem Papier bleibt der Mountiaq eng mit dem Kodiaq verbunden. In der Praxis wurde die Karosserie allerdings so stark verändert, dass vom ursprünglichen SUV-Konzept nur noch die technische Basis und einige zentrale Baugruppen erkennbar sind.
| Merkmal | Daten des Mountiaq |
|---|---|
| Basisfahrzeug | Škoda Kodiaq |
| Karosserie | Zweitüriger Pickup mit offener Ladefläche |
| Motor | 2,0 TSI, Benziner |
| Leistung | 140 kW, 190 PS |
| Radstand | 2.788 Millimeter |
| Bodenfreiheit | Rund 290 Millimeter |
| Räder | 17-Zoll-Rockstar-Felgen mit grobem Offroad-Profil |
| Farbe | Individuell entwickeltes Orange Sunset |
Die Bodenfreiheit liegt laut den veröffentlichten Fahrzeugdaten bei ungefähr 29 Zentimetern. Das sind rund zehn Zentimeter mehr als beim Kodiaq Scout. Für das Fahren auf grobem Untergrund ist dieser Unterschied wichtiger als eine spektakuläre Leistungssteigerung, weil Böschungen, Spurrillen und Steine weniger schnell zum Kontakt mit dem Unterboden führen.
Zu den markantesten Anbauteilen gehören eine Seilwinde, ein Frontbügel, ein hochgezogenes Ansaugrohr und eine Dach-Lichtleiste. Dazu kommen eine beleuchtete Ladefläche, ein verstecktes Staufach darunter, ein überarbeitetes Soundsystem sowie ein beleuchteter Kühlergrill. Eine konkrete Nutzlast, Anhängelast oder Höchstgeschwindigkeit wurde für das Einzelstück nicht als reguläre Modell-Spezifikation veröffentlicht. Genau hier sollte man Werbeoptik und belastbare Fahrzeugdaten auseinanderhalten.
Wie aus dem Kodiaq ein Pickup wurde
Der Umbau begann nicht mit dem Lackieren oder der Montage großer Reifen, sondern mit der Verstärkung der Karosserie. Nach dem Entfernen des Dachs mussten die Auszubildenden die Stabilität der selbsttragenden Fahrzeugstruktur neu sicherstellen. Bei einem SUV verteilt sich die Dach- und Seitenstruktur anders als bei einem Pickup, deshalb ist dieser Schritt deutlich anspruchsvoller als ein einfacher Karosserieumbau.
Karosserie und Ladefläche
Das Dach des Kodiaq wurde hinter der Kabine entfernt. Anschließend entstanden eine neue Rückwand, seitliche Fensterpartien und eine eigenständige Ladefläche mit funktionierender Heckklappe. Die vorderen Türen wurden gekürzt und verbreitert, damit die Proportionen des zweitürigen Pickups stimmig wirken.
Gerade die Ladefläche zeigt, wie viel Detailarbeit in dem Projekt steckt. Eine offene Fläche allein macht noch keinen guten Pickup. Sie braucht einen stabilen Abschluss, sinnvoll positionierte Beleuchtung, Schutz vor Feuchtigkeit und eine Konstruktion, die auch bei Bewegung im Gelände nicht klappert oder nachgibt.
Lesen Sie auch: Yamaha Ténéré 900 - Kommt sie wirklich? Analyse & Fakten
Fahrwerk und Offroad-Ausrüstung
Die zusätzliche Bodenfreiheit wurde mit Fahrwerksänderungen und den speziell profilierten 17-Zoll-Reifen erreicht. Größere Reifen verbessern zwar die Bodenfreiheit und Traktion, erhöhen aber auch ungefederte Masse, Lenkkräfte und Belastungen für Radlager sowie Antriebsstrang.
Die Seilwinde erhielt eine eigens konstruierte Halterung an der Front. Das ist ein Punkt, den viele Tuning-Projekte unterschätzen. Eine Winde erzeugt beim Bergen enorme Zugkräfte, die nicht einfach an eine dünne Stoßfängerhalterung weitergegeben werden dürfen. Die Last muss kontrolliert in die tragenden Strukturen des Fahrzeugs eingeleitet werden.
Was das Konzept für Offroad und Performance zeigt
Der Mountiaq ist kein Prüfstandskandidat, der mit maximaler Motorleistung beeindrucken soll. Sein Konzept folgt einer anderen Logik: mehr Bodenfreiheit, passende Reifen und robuste Schutzlösungen bringen im Gelände oft mehr als zusätzliche PS.
Der 2,0 TSI mit 190 PS bietet für ein SUV-Pickup-Konzept eine solide Basis. Für tatsächliche Offroad-Leistung wären jedoch weitere Faktoren entscheidend, etwa die Kraftverteilung, die Achsverschränkung, die Untersetzung, der Böschungswinkel und die thermische Belastbarkeit bei langsamer Fahrt. Dazu liefert Škoda beim Einzelstück nicht für alle Punkte vollständige Messwerte.
- Reifen: Ein grobes Profil kann auf losem Untergrund mehr bewirken als ein kleiner Leistungszuwachs.
- Fahrwerk: Höhere Bodenfreiheit hilft nur dann, wenn Dämpfer, Achsgeometrie und Gelenke weiterhin sauber arbeiten.
- Unterbodenschutz: Schutzplatten sind bei echtem Geländeeinsatz sinnvoller als rein dekorative Frontbügel.
- Gewicht: Winde, Lichtleiste und große Räder erhöhen das Fahrzeuggewicht und können Verbrauch sowie Fahrverhalten verschlechtern.
Aus meiner Sicht ist genau dieser Kompromiss besonders lehrreich. Ein spektakulärer Look lässt sich schnell planen, aber ein funktionierendes Offroad-Fahrzeug verlangt eine abgestimmte Kombination aus Traktion, Strukturfestigkeit und Fahrzeugbalance. Wer nur höherlegt und größere Reifen montiert, kann sich an anderer Stelle neue Probleme schaffen.
Serienmodell, Kauf und Einordnung
Der Mountiaq wurde als einmalige Konzeptstudie gebaut und nicht als Serienfahrzeug angeboten. Es gibt daher keinen regulären Neupreis, keinen offiziellen Ersatzteilkatalog für das komplette Fahrzeug und keine normale Händlerbestellung. Angebote, die einen „neuen Mountiaq“ versprechen, sollte man deshalb besonders kritisch prüfen.
Als Basisfahrzeug ist der Kodiaq deutlich alltagstauglicher. Er bietet mehr Sitzplätze, eine geschlossene Karosserie und eine bessere Eignung für den normalen Straßenverkehr. Der Mountiaq setzt dagegen auf Wirkung, Individualität und eine offene Ladefläche. Ein direkter Vergleich ist deshalb nur sinnvoll, wenn man zwischen praktischem Serien-SUV und handgebauter Designstudie unterscheidet.
| Kriterium | Mountiaq | Kodiaq als Serienfahrzeug |
|---|---|---|
| Zweck | Showcar, Ausbildungs- und Designprojekt | Alltags-SUV für den Straßenverkehr |
| Karosserie | Zweitüriger Pickup | Geschlossener SUV |
| Verfügbarkeit | Einzelstück | Regulär über den Markt erhältlich |
| Offroad-Fokus | Sehr starke optische und technische Ausrichtung | Abhängig von Version, Reifen und Ausstattung |
| Umbaupotenzial | Bereits vollständig als Konzept umgesetzt | Individuell mit Fahrwerk, Rädern und Schutzteilen anpassbar |
Wer einen ähnlichen Umbau in Deutschland plant, sollte zuerst die technische Machbarkeit und die spätere Abnahme klären. Änderungen an Karosserie, Fahrwerk, Rädern, Beleuchtung und Anbauteilen müssen mit den passenden Gutachten und einer Prüforganisation abgestimmt werden. Ein Konzeptfahrzeug als Vorbild zu nehmen ist inspirierend, bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Lösung für ein zugelassenes Straßenfahrzeug übernommen werden darf.
Was vom Azubi-Pickup für eigene Projekte bleibt
Der Škoda Mountiaq ist vor allem deshalb interessant, weil er zeigt, wie aus einer klaren Idee ein vollständiges Fahrzeugkonzept entsteht. Die Auszubildenden haben nicht einfach Zubehör montiert, sondern die Karosserie, die Ladefläche, das Fahrwerk und die Offroad-Ausrüstung als zusammenhängendes System entwickelt.
Für eigene Performance- oder Offroad-Projekte würde ich deshalb mit einem realistischen Ziel beginnen. Zuerst kommen Reifen, Fahrwerk, Schutz und Bremsen, danach Optik und Zusatzbeleuchtung. So bleibt der Umbau funktional, nachvollziehbar und im besten Fall auch prüfbar sowie alltagstauglich.
Als käufliches Fahrzeug bleibt die Studie unerreichbar, als technische Inspiration ist sie dagegen ausgesprochen wertvoll. Ihr stärkstes Signal ist nicht die orange Lackierung, sondern die Erkenntnis, dass gutes Tuning immer dann überzeugt, wenn Design, Konstruktion und tatsächlicher Einsatzzweck zusammenpassen.
