Wer ein klassisches Motorrad mit moderner Alltagstechnik sucht, landet schnell bei der Honda GB350S. Der luftgekühlte Einzylinder verbindet Retro-Optik mit A2-tauglicher Leistung, niedrigen Betriebskosten und unkompliziertem Handling. Ich zeige die wichtigsten technischen Daten, ordne das Fahrverhalten ein und erkläre, für wen das Motorrad wirklich passt.
Die wichtigsten Fakten zur Honda GB350S auf einen Blick
- 348 cm³ Hubraum und 21,1 PS machen sie zum entspannten Roadster für Alltag und Landstraße.
- 29 Nm bei 3.000 U/min sorgen für kräftigen Durchzug aus niedrigen Drehzahlen.
- Mit 178 kg fahrfertigem Gewicht bleibt die Maschine leicht kontrollierbar.
- Die Ausstattung umfasst HSTC-Traktionskontrolle, ABS und LED-Beleuchtung.
- Der aktuelle deutsche Listenpreis liegt bei 4.080 Euro zuzüglich Überführung.

Die Honda GB 350 setzt auf entspanntes Fahren
Die GB350S ist kein Motorrad, das mit Spitzenleistung oder aggressiver Beschleunigung beeindrucken will. Ihr Konzept ist ein anderes: Sie soll sich im Stadtverkehr leicht bewegen, auf der Landstraße angenehm anfühlen und dabei den Charakter eines klassischen Einzylinder-Motorrads bewahren.
Optisch erinnern der runde LED-Scheinwerfer, der große Tank und der analoge Rundtacho an frühere Roadster. Technisch ist das Modell jedoch auf dem aktuellen Stand. Dazu gehören eine elektronische Einspritzung, ein LCD-Zusatzdisplay, ABS und die Honda-Traktionskontrolle HSTC. Genau diese Mischung macht für mich den Reiz aus. Das Motorrad sieht traditionell aus, verlangt im Alltag aber keine nostalgischen Kompromisse.
Die Sitzhöhe von 800 Millimetern ist nicht extrem niedrig, wirkt durch die schmale Sitzbank und den niedrigen Schwerpunkt aber gut zugänglich. Für viele Einsteiger ist das hilfreicher als ein besonders leichtes Datenblattgewicht, weil beide Füße beim Rangieren relativ sicher den Boden erreichen.
Technische Daten und Ausstattung im Überblick
Herzstück ist ein luftgekühlter, langhubig ausgelegter Einzylinder mit 348 Kubikzentimetern. Er entwickelt seine maximale Leistung nicht besonders hoch im Drehzahlband. Das passt zum Charakter des Motorrads, denn im Alltag zählen hier früher Durchzug und eine gutmütige Gasannahme mehr als hohe Drehzahlen.
| Merkmal | Honda GB350S |
|---|---|
| Motor | Luftgekühlter OHC-Einzylinder, Viertakt |
| Hubraum | 348 cm³ |
| Leistung | 15,5 kW beziehungsweise 21,1 PS bei 5.500 U/min |
| Drehmoment | 29 Nm bei 3.000 U/min |
| Getriebe | 5-Gang-Schaltung |
| Kraftstoffverbrauch | 2,5 l/100 km nach WMTC |
| Tankinhalt | 15 Liter |
| Fahrfertiges Gewicht | 178 kg |
| Sitzhöhe | 800 mm |
| Bremsen | 310-mm-Scheibe vorn, 240-mm-Scheibe hinten, ABS |
| Bereifung | 100/90-19 vorn, 150/70-R17 hinten |
Die offiziellen Verbrauchswerte von 2,5 Litern auf 100 Kilometer sind im Vergleich zu vielen größeren Motorrädern sehr niedrig. Wie immer hängt der reale Verbrauch von Tempo, Beladung, Wind und Fahrstil ab. Wer überwiegend entspannt über Land fährt, kann die Effizienz des kleinen Einzylinders besonders gut ausnutzen.
Honda kombiniert den Motor mit einem Fünfganggetriebe und einer Assist- beziehungsweise Slipper-Kupplung. Die Assist-Funktion reduziert die Handkraft am Kupplungshebel, während die Slipper-Funktion beim harten Zurückschalten das Hinterrad stabilisiert. Für sportliche Rennstreckenrunden ist diese Technik nicht gedacht, im dichten Stadtverkehr und auf kurvigen Landstraßen macht sie das Motorrad aber spürbar angenehmer.
Wie fährt sich der Retro-Roadster im Alltag
Mit 29 Nm bei 3.000 U/min liefert die GB350S ihre Kraft dort, wo sie im normalen Verkehr gebraucht wird. Anfahren, Überholen auf der Landstraße und das Herausbeschleunigen aus engen Kurven funktionieren gelassen. Ich würde den Motor als ruhig, elastisch und charaktervoll beschreiben, nicht als sportlich im klassischen Sinn.
Die zu erwartende Höchstgeschwindigkeit liegt bei ungefähr 114 km/h. Damit ist das Motorrad für Bundesstraße, Stadt und kurvige Nebenstrecken gut geeignet. Auf längeren Autobahnetappen fehlt jedoch der Reservespielraum. Wer dauerhaft 130 km/h fahren oder häufig mit hoher Geschwindigkeit überholen möchte, sollte sich nach einem stärkeren Modell umsehen.
Das Fahrwerk besteht aus einer 41-Millimeter-Teleskopgabel mit 106 Millimetern Federweg und zwei hinteren Federbeinen. Die Abstimmung zielt auf Komfort und Stabilität. Schlaglöcher und schlechte Stadtstraßen werden ordentlich verarbeitet, bei sportlicher Gangart zeigen die einfachen Federbeine aber ihre Grenzen. Eine individuelle Einstellung der hinteren Federbeine kann helfen, ersetzt jedoch kein voll einstellbares Sportfahrwerk.
Die Kombination aus 19-Zoll-Vorderrad und 17-Zoll-Hinterrad verleiht dem Motorrad einen ruhigen Geradeauslauf. In schnellen Richtungswechseln fühlt es sich nicht so agil an wie ein modernes Naked Bike mit kleinerem Vorderrad. Dafür vermittelt es auf unebenen Landstraßen viel Vertrauen.
Für wen sich die GB350S besonders eignet
Eine gute Wahl für A2-Einsteiger
Die Leistung liegt innerhalb der A2-Grenzen, sodass die Maschine ohne Drosselung mit dem A2-Führerschein gefahren werden kann. Die Leistungsabgabe bleibt berechenbar, und die Sitzposition ist aufrecht genug, um den Verkehr gut zu überblicken. Einsteiger profitieren außerdem von ABS und HSTC, sollten diese Systeme aber nicht als Ersatz für saubere Blickführung und kontrolliertes Bremsen verstehen.
Auch Wiedereinsteiger finden einen angenehmen Zugang. Das Motorrad wirkt nicht einschüchternd, bietet aber genug Masse und Stabilität, um sich nicht wie ein kleines Leichtkraftrad anzufühlen. Bei einer Probefahrt würde ich besonders auf Rangieren, Kupplungsgefühl und die Sitzposition nach mindestens 30 Minuten achten.
Stark im Pendelverkehr und auf Wochenendtouren
Im Stadtverkehr spielt die GB350S ihre leichte Bedienbarkeit aus. Der Motor reagiert sanft, der Wendekreis ist alltagstauglich und die Sitzposition belastet Handgelenke und Rücken nur wenig. Für den täglichen Weg zur Arbeit sind der geringe Verbrauch und die robuste, überschaubare Technik ebenfalls gute Argumente.
Auf einer Wochenendtour fühlt sie sich auf Landstraßen am wohlsten. Eine Tankfüllung kann theoretisch eine sehr große Reichweite ermöglichen, praktisch sollte man wegen Wetter, Tempo und Reserve mit einem realistischeren Wert planen. Für Gepäck sind optionale Satteltaschen und Windscheiben sinnvoller als ein überladenes Heck, das das Fahrverhalten verschlechtert.
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Weniger passend für sportliche Fahrer
Wer maximale Schräglagen, harte Beschleunigung und präzise Fahrwerksreserven sucht, wird mit diesem Modell wahrscheinlich nicht glücklich. Die GB350S ist ein Genuss-Roadster und kein Performance-Bike. Genau darin liegt ihre Stärke, aber auch ihre klare Grenze.
Performance-Tuning mit Augenmaß
Bei einem 21-PS-Einzylinder ist die Versuchung groß, mit Auspuff, Luftfilter und Kennfeldoptimierung mehr Leistung herauszuholen. In der Praxis bleiben die Gewinne meist überschaubar. Ein Zubehörschalldämpfer kann Klang und Optik verändern, bringt allein aber selten einen spürbaren Leistungssprung.
Ich würde zuerst in Bereiche investieren, die das Motorrad tatsächlich besser machen. Dazu gehören eine passende Fahrwerksabstimmung, hochwertige Reifen und eine ergonomisch sinnvolle Sitz- oder Lenkeranpassung. Diese Änderungen verbessern Kurvengefühl und Komfort oft stärker als ein teures Motor-Tuning.
- Reifen mit gutem Nassgrip erhöhen Vertrauen bei wechselhaftem Wetter.
- Hintere Federbeine mit passender Federrate helfen bei hoher Beladung oder größerem Fahrergewicht.
- Bremsbeläge mit Straßenzulassung können das Ansprechverhalten verbessern, ohne die Anlage unnötig zu überfordern.
- Ein zugelassener Schalldämpfer verändert den Klang, sollte aber nur mit passender ABE oder Eintragung montiert werden.
- Heizgriffe, Gepäcksystem und Windschild erhöhen den praktischen Nutzen stärker als reine Show-Teile.
Bei Änderungen an Abgasanlage, Ansaugung oder Beleuchtung sollte die Zulassung immer vor dem Kauf geprüft werden. Ein Teil ohne passende Genehmigung kann nicht nur Ärger bei der Kontrolle verursachen, sondern auch den Versicherungsschutz gefährden.
Preis, laufende Kosten und wichtige Kaufpunkte
Honda Deutschland nennt für die Maschine aktuell eine unverbindliche Preisempfehlung von 4.080 Euro ab Werk. Einschließlich Überführung werden 4.709 Euro ausgewiesen. Händlerangebote, Zulassung, Kennzeichen, Versicherung und Zubehör kommen gegebenenfalls noch hinzu.
Der niedrige Verbrauch hält die Kraftstoffkosten überschaubar. Teurer als der Sprit können auf Dauer Reifen, Inspektionen und Zubehör werden. Vor dem Kauf würde ich deshalb nicht nur den Grundpreis vergleichen, sondern ein realistisches Budget für die ersten 12 Monate bilden.
| Kostenpunkt | Worauf achten |
|---|---|
| Kaufpreis | Ab-Werk-Preis und Überführung getrennt prüfen |
| Versicherung | Tarif hängt unter anderem von Region, Alter und Schadenfreiheitsklasse ab |
| Wartung | Inspektionsintervalle und Arbeitskosten beim Händler erfragen |
| Zubehör | Gepäck, Windschild und Heizgriffe können den Endpreis deutlich erhöhen |
| Gebrauchtkauf | Kette, Reifen, Bremsen, Serviceheft und mögliche Sturzspuren kontrollieren |
Bei einem Gebrauchtmotorrad schaue ich zuerst auf Verschleißteile, nicht auf glänzende Lackflächen. Eine verschlissene Kette, alte Reifen oder ein wartungsbedürftiges Fahrwerk können schnell mehrere hundert Euro Zusatzkosten verursachen. Eine kurze Probefahrt mit kaltem und warmem Motor ist deshalb wichtiger als ein besonders günstiger Inseratspreis.
Warum dieses Motorrad mehr kann als nur gut aussehen
Die GB350S überzeugt nicht durch spektakuläre Zahlen, sondern durch ein stimmiges Gesamtpaket. Sie verbindet klassisches Design, niedrige Betriebskosten und moderne Sicherheitsausstattung mit einem Motor, der seine Kraft angenehm und kontrollierbar abgibt.
Meine Empfehlung fällt klar aus, wenn entspanntes Fahren, Alltagstauglichkeit und ein eigenständiger Charakter im Vordergrund stehen. Wer dagegen häufig Autobahn fährt oder maximale Performance erwartet, sollte mehr Hubraum und stärkere Fahrwerksreserven einplanen. Für Stadt, Landstraße und den bewussten Genuss jeder Kurve ist der kleine Honda-Roadster jedoch eine bemerkenswert runde Lösung.
